ZEITUNGSBERICHTE

 

Altheim ‐ Schlechte Nachrichten für viele Ortschaften im Kreis, die keinen Tante-Emma-Laden mehr in ihrem Zentrum haben: Der Klinger Laden, einziger Cap-Markt im Kreis, soll nach zweieinhalb Jahren Ende der Woche schließen. Grund: Der Umsatz ist eingebrochen. Von Thomas Meier

Laden Tante Emma Altheim

© Th. Meier

Katja Fischer (links) und Felicitas Schulke kämpfen zwar auch in ihrem Altheimer Lädchen um ihre Existenz, aber dies durch viel Kraftanstrengung und mit Ideenreichtum bislang erfolgreich.

Allenthalben schließen Lebensmittelmärkte in kleinen Ortschaften, werden verdrängt von Discountern, Supermärkten und riesigen Vollsortimentsketten, die sich auf der Grünen Wiese oder am Rande größerer Kommunen ansiedeln. Das ganze Land scheint besetzt von Legionen dieser Nahrungsmittel-Großmärkte. Das ganze Land?

Auch Altheim ist umzingelt von Ortschaften, die fest in der Hand von Aldi und Co. sind. Doch gibt es im kleinen, uns allen bekannten Dorf zwei unbeugsame Geschäftsfrauen, die allem Discount-Irrsinn rundherum seit 18. März 2009 die Stirn bieten mit ihren Altheimer Lädchen. Bei Katja Fischer und Felicitas Schulke fragten wir nach: Wie funktioniert das bei der scheinbaren Übermacht rundherum?

„In der Anfangszeit haben wir schon überlegt, ob wir weitermachen sollen, ob es sich wirklich einmal rentieren könnte“, erinnert sich Katja Fischer an die ersten, harten und auch einsamen Monate in der Kirchstraße 11. Sie hatten das kleine Lebensmittelgeschäft Anfang 2009 übernommen und renovierten es mit ihren Familien komplett.

Der Laden ist gleichzeitig Nachrichtenbörse des Orts

„Wir wurden sehr kritisch beäugt“, sagt Schulke, die Anfangsskepsis der Altheimer habe ihnen voll zugesetzt. Doch nachdem auch frische Backwaren von der Großbäckerei und ein Postversand Einzug gehalten haben, lief es langsam an.

Im Laden wird kräftig daran gearbeitet, die Kundenfrequenz zu erhöhen. Weil außer dem Lädchen in Altheim sonst nichts mehr ist, gilt es auch als Nachrichtenbörse Nummer eins im Ort.

Noch lange nicht seien sie übern Berg, geben Schulke/Fischer unumwunden zu. „Schließlich haben wir das Geld für die Einrichtung nicht im Lotto gewonnen.“ Die Anfangskredite müssen abbezahlt werden, und ohne ihre Männer und deren Verdienst könnten die Geschäftsfrauen auch nicht vom Ladenerlös allein leben. „Wir haben gewusst, dass so ein Geschäft sich erst nach drei bis fünf Jahren von selbst trägt. Noch sind wir da voller Hoffnung.

 

QUELLE: OP

 

 

 

Mit Optimismus und  Zuversicht

 

 

Altheim - „Es geht langsam aufwärts“, sagt Katja Fischer, eine der beiden Pächterinnen des „Altheimer Lädchens“. Seit der Eröffnung im März diesen Jahres hatten sie und ihre Partnerin Felicitas Schulke so manche herbe Durststrecke zu überwinden. Von Ellen Jöckel

 

 

In der Ferienzeit dachte ich, wir schaffen es nicht“, ergänzt Fischer. Doch mit der Übernahme des „Hermes Versands“ im Sommer sei immer mehr Laufkundschaft dazu gekommen. „Von den Stammkunden alleine können wir nicht leben“, weiß Felicitas Schulke. Über den Versand kämen Leute in den Laden, die nie zuvor dort gewesen seien. Manch einer kaufe dann auch gleich was mit ein oder käme im besten Fall auch wieder.

Wo sie nicht weiterkamen, haben sie Hilfe aus dem Ort geholt

Von Anfang an haben die beiden Existenzgründerinnen keinerlei Anstrengung gescheut, um aus dem Laden in der Kirchstraße 11 das Beste rauszuholen: Bei der aufwändigen Renovierung habe die gesamte Familie mit angepackt, damit das vorher sehr düster und eng wirkende Geschäft eine helle und freundliche Atmosphäre erhält. Wo die Familie nicht weiterkam, haben sich die ursprünglich aus Erfurt stammenden Frauen Hilfe aus dem Ort geholt.

Wir haben einfach bei den Fachleuten in Altheim geklingelt und gefragt, ob sie helfen könnten“, erzählt Schulke. Die seien über diese Spontanität so erstaunt gewesen, dass sie gleich zugesagt hätten. Gleich bei der Eröffnung seien die beiden Verkäuferinnen gefragt worden, ob im Laden Wände rausgerissen worden sind. „Obwohl dies nicht passiert ist, wirkt unser Minimarkt offensichtlich auf die Kunden durch die geschickte Anordnung der Regale und die gekonnte Lichtführung viel heller“, freuen sich die Betreiberinnen. Doch als es nach den großen Voranstrengungen endlich losging, bekamen die Gründerinnen gleich einen Dämpfer: Das Waren-Sortiment sei nach eigener Einschätzung zusammengestellt worden und stimme mit den Bedürfnissen der Altheimer Kunden nicht ganz überein, klagten zunächst etliche Konsumenten.

„Können nicht auf jeden Wunsch eingehen.“

Zu Beginn haben wir viel in die Tonne gekloppt“, drückt es Schulke drastisch, aber wahrheitsgemäß aus. Die Liste der Warenwünsche sei lang gewesen, erzählen die Verkäuferinnen. „Auf jeden einzelnen Wunsch können wir nicht eingehen. Wir müssen schauen, ob ein Produkt auch mehrfach verlangt wird“, erläutert die Fischer. Inzwischen sei das Warenangebot erweitert und angepasst worden.

Von Dingen des täglichen Bedarfs über frisches Obst und Gemüse bis hin zu einer reichhaltigen Backwarentheke mit Brot, Brötchen und breitem Kuchensortiment ist alles im Altheimer Lädchen zu finden. Größere Mengen an Backwaren könnten von einem auf den anderen Tag vorbestellt werden.

Zu erreichen sind sie während der Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 7.30 bis 12.30 und 14.30 bis 18 Uhr sowie samstags von 7.30 bis 12.30 Uhr unter Tel.: 06071-305346.

Diejenigen Leute, die am Anfang sehr skeptisch gewesen seien, zählten mittlerweile zu den besten Kunden. „Das sind die, die uns gute Tipps geben“, verrät Felicitas Schulke. Mit der Zeit hätten die beiden Geschäftsführerinnen einen guten Draht zur Kundschaft entwickelt. „Die Stammkunden freuen sich, wenn wir sie mit ihrem Namen ansprechen“, bemerkt Katja Fischer. Den älteren Personen böten Schulke und Fischer bei Bedarf besondere Hilfeleistungen an, wie beispielsweise Wasserkästen nach Hause bringen. Eine Bank zum Plaudern, die vor dem Laden stand, habe der Sperrmüll bedauerlicherweise einfach mitgenommen.

Immer mehr Kinder schauen vorbei

Auch auf die junge Kundschaft werde eingegangen: Zum Schulanfang habe jeder Schüler eine Stange Kaubonbons geschenkt bekommen. „Es kommen jetzt immer mehr Kinder zu uns“, freut sich Katja Fischer.

Per Flugblatt und Aushang werde auf Aktionswochen aufmerksam gemacht, in denen pro Woche ein Angebot besonders herausgestellt wird. So richtig angekommen seien diese Botschaften jedoch bei den Einwohnern noch nicht. „Die Leute scheinen solche Aktionen bei uns noch nicht wahrzunehmen“, meint die 47-Jährige. Deshalb sprächen die Unternehmerinnen Kunden nun vermehrt auf ihre Sonderangebote an. Zudem hätten sich die Altheimer auch erstmal daran gewöhnen müssen, dass der Laden im Vergleich zu den Öffnungszeiten des Vorgängers auch am Mittwochnachmittag geöffnet ist.

Praktikantin hilft im Laden mit

Unterstützung erhalten Fischer und Schulke nun von Christina Pahlke. Die Altheimerin macht während ihrer Ausbildung als Einzelhandelskauffrau ein Praktikum im Lädchen. „Es macht Spaß hier zu arbeiten, weil ein sehr nettes Klima herrscht“, erzählt die 22-Jährige. Und ihre engagierten Chefinnen sind froh, dass sie sich so auch mal eine kurze Kaffeepause gönnen können. „Wir denken, wir müssen drei Jahre durchhalten, bis sich der Laden rechnet“, schätzen Fischer und Schulke. Dieses Durchhaltevermögen nimmt man den energiegeladenen Frauen auf jeden Fall ab.

 

 

 

 

Frische Brötchen und Sektchen

 

Altheim - „Heute morgen war die Hölle los“, sagt Felicitas Schulke leicht gestresst, gleichzeitig liegt Freude in ihrer Stimme. Punkt 9 Uhr hatten die neuen Pächterinnen Felicitas Schulke und Katja Fischer mit Helfern aus der Familie erstmals seit der Schließung im Dezember die Türen des „Altheimer Lädchen“ geöffnet (die OP berichtete). Jetzt um die Mittagszeit hat der erste Ansturm nachgelassen. Von Jens Dörr

© Foto: Dörr

Die Qual der Wahl: Welche der vier Ketchup-Sorten wird die Dame wohl mit nach Hause tragen?

Ein wenig Zeit zum Durchatmen für die beiden sympathischen Frauen, die in der Nacht zuvor bis 1 Uhr mit dem Feinschliff beschäftigt waren. „Ich finde es besonders toll, dass so viele Altheimer mitgeholfen und den Pächterinnen Mut gemacht haben“,sagt derweil Nicole Mustafa, bei der Gemeinde Münster für die Wirtschaftsförderung zuständig. Auch Bürgermeister Walter Blank ist zur Ladeneröffnung vorbeigekommen und wünscht den beiden Unternehmerinnen viel Erfolg Blank und Mustafa sind aber nicht nur gekommen, um warme Worte loszuwerden, sie packen auch mit an. Schon ab 9 Uhr schenkt Mustapha Begrüßungs-Sekt an die Kunden aus, Blank gesellt sich gegen Mittag hinzu und backt Brötchen. „Die sind sogar alle was geworden“,sagt und lacht der Gemeinde-Chef und der keineswegs verbrannt daherkommende Duft der frischen Backerzeugnisse bestätigt ihn darin. Neben Brötchen, Knusperstangen oder süßen Stückchen findet man im Altheimer Lädchen allerlei weitere frische Produkte: Beim Betreten des Geschäfts gleich rechts lachen einen herrliche Birnen an und auch das Gemüse verlockt. Wie in jedem großen Supermarkt sind Milchprodukte und Tiefkühlwaren ganz hinten: Mit einigen Schritten und einer kleinen Empore hinauf steht man allerdings rasch davor. Das „Altheimer Lädchen“ ist ein Shop der kurzen Wege. Unterdessen entdeckt der OP-Autor auf Anhieb nichts, was er im Rahmen seiner täglichen Konsumgewohnheiten verbraucht und was nicht im Laden zu finden wäre. Angenehm fällt auch der Anteil an günstigen Eigenmarken ins Auge, die für kleinere Geldbeutel eine prickelnde Alternative darstellen. Apropos Prickeln: Der TSV Altheim hat bei Schulke und Fischer erst einmal 15 Kästen Bier vorbestellt. Nicht, dass es keine Getränke im Laden gäbe. Nur soll es beim TSV eine ganz bestimmte Marke sein. Die Pächterinnen wollen auch diesen Wunsch berücksichtigen und dieses Bier wird bald da sein. „Wir möchten in unserem Laden ständig mit den Kunden im Gespräch sein und erfahren, welche Produkte sie sich noch wünschen“, erzählt Schulke. Dann holt sie eine Liste hervor, auf der schon zahlreiche Kundenwünsche stehen – die erste Seite ist drei Stunden nach der Eröffnung voll geschrieben. An Auswahl mangelt es aber nicht: Zwischen vier Sorten Ketchup herrscht die Qual der Wahl. Und die Preise? „Bei uns sind die Sachen nicht teurer als bei Rewe“,betont Fischer. „Von dieser Handelsgruppe stammen unsere Produkte und nach deren Preisvorgaben richten wir uns.“Die Zukunftsaussichten des Ladens bringt Bürgermeister Walter Blank unmissverständlich auf den Punkt: „Es liegt an den Altheimern selbst, ob der Laden Bestand haben wird.“


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